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Weihnachtsgeschichte kennen Kinder kaum noch
By , Thursday, December 25, 2003

«Wir sind in einer Situation, in der wir die Weihnachtsgeschichte nicht nur als eine gute, sondern auch als eine neue Nachricht erzählen können», sagt etwa der religionspädagogische Studienleiter aus Gießen, Pfarrer Uwe Martini.

Wenn Schülern ein persönlicher Bezug zur Geschichte von der Geburt Jesu vermittelt werden könne, fänden sie auch Zugang zum Glauben, meint der Vorsitzende des Verbands Katholischer Religionslehrer und Gemeindereferenten, Werner Reuter. Stand im Religionsunterricht früher der gesellschaftliche Aspekt der Weihnachtsgeschichte im Vordergrund, so werde inzwischen gefragt: «Was bedeutet die Weihnachtsgeschichte für mich?» Angesichts der wachsenden Zahl von Kindern, die nicht mit ihren beiden leiblichen Eltern unter einem Dach leben, sieht der Religionslehrer einen Ansatzpunkt in der Figur des Joseph: «Es war nicht sein Kind. Das ist heute ganz aktuell.» Viele Kinder sprächen die mit der Herbergssuche verbundenen Gefühle an: Die Sehnsucht nach Geborgenheit und das Gefühl, verstoßen zu werden.

Gut jeder dritte Sechs- bis Zwölfjährige weiß nicht, warum Weihnachten eigentlich gefeiert wird - wie eine repräsentative Umfrage des Münchner Kinder- und Jugendforschungsinstituts «iconkids & youth» im Dezember 2002 ergab. Sechs Prozent der mehr als 700 Befragten räumten ein, die Gründe nicht zu kennen. 18 Prozent lagen mit ihren Vermutungen komplett daneben, 15 Prozent waren immerhin auf der richtigen Spur.

In einem multikulturellen Umfeld könnten biblische Hintergründe nicht vorausgesetzt werden, sagt Pfarrer Martini. Viele der in den 60er und 70er Jahren aufgewachsenen Eltern hätten ihren Kindern zudem keine Bilder von Religion und Glauben vermittelt. «Das war doch die Hochzeit der Säkularisierung.» Reuter meint, «bei Weihnachten kommt zwar immer mehr der Geschenkecharakter zum Tragen», wer aber nachfrage, erhalte von fast allen Kindern auch die Antwort, dass Weihnachten mit der Geburt Jesu zu tun habe. «Da kommt von den Kindergärten sehr viel.»

Die meisten Kindertagesstätten versuchten dem Weihnachtsrummel ein eigenes Konzept entgegen zu setzen, Ruhe in den Advent zu bringen und den Kindern zu vermitteln, dass Jesus an Weihnachten geboren ist, sagt Religionspädagoge Joachim Dietermann von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. «Die Weihnachtsgeschichte wird erzählt und gespielt. Oder es werden 24 Kerzen in eine lange Reihe gestellt und Maria und Joseph gehen jeden Tag von einer Kerze zur anderen.»

Nicht ganz einfach sei der Umgang mit der Figur des Weihnachtsmanns. «Für sich selbst klar sein und Rituale nicht vermischen», rät der Pädagoge. Martini meint hingegen: «Kinder können mit Parallelwelten leben, ohne das kleinste Problem zu haben. Ihr Weltbild ist nicht streng logisch.» So werde der Weihnachtsmann oft einfach zum Überbringer der Geschenke. Wichtig sei die Botschaft: «Weihnachten ist ein Tag, an dem Gott uns ein großes Geschenk macht.»

Vor 10, 15 Jahren mussten Religionslehrer noch auf Märchen und Geschichten zurückgreifen, um in den Grundschulen die sattsam bekannte Weihnachtsgeschichte auf eine neue Art zu erzählen, berichtet Martini. Da war beispielsweise vom Ochsen die Rede, der sich über die Ruhestörung im Stall beschwerte; oder es ging um einen Engel, der sich einen Flügel gebrochen hatte. «Das braucht man nicht mehr, man erzählt einfach die Weihnachtsgeschichte.» In vielen Grundschulen gebe es auch wieder Krippenspiele - gemäß dem reformpädagogischen Ansatz, dem Unterricht Gestalt zu geben. «Das macht den Kindern einen Riesenspaß.» Religionslehrer Reuter sagt: «Wir können die Weihnachtsgeschichte nicht mehr einfach aus der Bibel vorlesen. Das verstehen die Kinder schon wegen der Wörter nicht mehr.»

 

 

 

Quelle: dpa - Meldung vom 25.12.2003

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